Beim Coaching erlebt man im Laufe der Zeit viele unterschiedliche Situationen, die sich auch noch nach Jahren so anfühlen, als wären sie erst gestern geschehen. Leider bleiben diese Geschichten oft unerzählt, obwohl sie doch das Zeug für eine Verfilmung hätten. Im Folgenden gibt es ein kleines Beispiel aus der Mediation, das ich vor ein paar Jahren in Freiburg erleben durfte:

Zwei Geschäftspartner in unterschiedlichen Firmen liegen im Streit über eine Zahlung. Beide kennen mich und rufen mich als Wirtschaftsmediator für eine Mediation: Ich erlebe beide als ziemlich wütend, denn es geht um 20.000 €, die einer dem Andern in Rechnung gestellt hat. Die eine Partei will gar nichts zahlen, die Andere will den vollen Betrag.

Sie haben es schwer, sich an die Mediationsregeln zu halten, sind ziemlich polemisch und fallen sich gegenseitig ins Wort. Irgendwann wird’s laut und lauter, beide springen auf und wollen die Auseinandersetzung nun körperlich fortsetzten.

Ich bleibe sitzen und frage, ob sie mich noch brauchen. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung beruhigen sie sich und ich frage, ob ich mit jedem Mal fünf Minuten alleine sprechen kann. Sie bejahen das, ich gehe mit dem Ersten in einen anderen Raum und frage ihn, wieviel er denn zahlen würde im äußersten Fall. Er sagt sofort: 7.500 €.

Ich hole den Zweiten, und frage ihn, wie weit er runter gehen würde mit seiner Forderung. Er sagt nach kurzem Überlegen: Siebentausenfünfhundert Euro! Nochmal zur Erinnerung, dieses Beispiel ist nicht konstruiert und habe ich in meiner Coaching-Laufbahn in Freiburg wirklich erlebt, fast wie im Märchen.

Wir haben weitergemacht und keine 15 Minuten später stand ein Vertrag am Flipchart, den beide unterschrieben haben. Sie haben sich mit Handschlag verabschiedet!

Für mich als Wirtschaftsmediator war dies ein Schlüsselerlebnis. Ich bin mir sicher, wenn die beiden vor Gericht gezogen wären, hätte es viel mehr Nerven und Geld gekostet und sie wären am Ende sicher nicht mit Handschlag auseinander gegangen.

P.S: Natürlich handelt es sich in diesem Beispiel nicht um eine klassische Mediation, mit Umdeutungen, Beschreibungen der Gefühle etc. Es war eher eine sehr pragmatische Schlichtung. Gerade in solchen Situationen zeigt sich jedoch, dass jede Form von Coaching auf die jeweilige Situation angepasst werden sollte, auch wenn man damit den „klassischen“ Weg verlässt.